Auslandsjahr nach dem Abi

Diese Frage stellen sich immer mehr junge Menschen, denn die Möglichkeiten nach dem Abi reichen ins Unermessliche. Daher möchte ich neben den Vorteilen vom Auslandsjahr nach dem Abi auch auf die größten Varianten sowie die oftmals fatale Erwartungshaltung an die “Lücke im Lebenslauf” eingehen. Zusätzlich folgt ein kurzer Erfahrungsbericht meiner eigenen Weltreise nach dem Schulabschluss und was ich daraus für meine berufliche Orientierung mitnehmen konnte.

Die Vorteile eines Auslandsjahres nach dem Abi

1. Auszeit vom Schulalltag

In der Schule hast du jahrelang einen festen Tagesablauf und ein Umfeld, das sich kaum verändert. Wie sollst du da bitte auf neue Gedanken kommen und dich entscheiden, in welche Richtung du deine berufliche Zukunft lenken willst? Richtig – gar nicht. Wenn du also nicht bereits seit Jahren genau weißt, wo deine berufliche Reise hingeht, wirst du so vermutlich nicht weiterkommen. Daher macht es absolut Sinn, ein wenig den Druck rauszunehmen und erstmal “auszubrechen”… aus den starren Routinen, den wachsenden Erwartungen deines Umfelds und der Gesellschaft. Eine Pause in Form einer Weltreise, Volunteering oder einfach mal Urlaub, that’s what you need!

2. Den Horizont erweitern 

Dass eine Reise (besonders alleine) dazu führt, neue Länder, Kulturen und Menschen kennenzulernen, dürfte klar sein. Aber es geht noch weiter, denn du wirst neben neuen Perspektiven und Geschichten auch neue Ideen entdecken, mit denen du dein Fundament der Studien- und Berufswahl zusätzlich ausbauen kannst. Vielleicht lernst du auf der Reise jemanden kennen, der dir einen spannenden Kontakt vermittelt, oder dir von seiner eigenen Karriere erzählt. Genau solche Momente führen zum sogenannten Beyond-the-Corner-Paradigma, das Marvin unter anderem in seinem Buch Early Life Crisis behandelt: erst durch das Erkunden neuer Perspektiven werden uns Möglichkeiten bewusst, die zu unserem Weg in Richtung Traumjob beitragen könnten.

3. Sprachen und Eigenverantwortung

Ein weiterer Vorteil liegt auf der Hand – auf Reisen sprichst du mit Sicherheit viel Englisch, womöglich auch andere Sprachen. Diese sind nicht nur der Schlüssel zu einem tieferen Verständnis für Kultur und Gesellschaft, sondern auch ein super Tool um dir selbst neue Türen zu öffnen, sei es für die spätere Studienwahl oder sogar eine berufliche Karriere im Ausland. Zudem übernimmst du auf Reisen wirklich Eigenverantwortung, denn du musst dich, deine Pläne und dein Leben selbst organisieren… und wer ein erfülltes Leben führen will, ist eben selbst verantwortlich dafür.

Die Top 3 Varianten für ein Auslandsjahr nach dem Abi

Kurz und bündig kommen jetzt die wohl bekanntesten Wege ins Ausland:

Work & Travel

Schnall dir dein Backpack auf den Rücken und let’s go! Kombiniere deine Weltreise mit Arbeit vor Ort, wie zum Beispiel Kiwi-Pflücken in Neuseeland, Bauarbeiten in Australien oder Kellnern in Kanada. So liegen nicht nur exotische Früchte, sondern auch Dauer und Komfort der Reise in deinen Händen.

Au-Pair

Betreue Kinder oder Haushalte gegen Verpflegung, Unterkunft und Taschengeld bei einer Gastfamilie im Ausland. Im Gegenzug lernst du Sprache und Kultur des Gastlandes bzw. der Gastregion kennen und bist von Tag 1 in das Leben der Locals integriert.

Sprachreise

Dein Auslandsaufenthalt im Rahmen einer Sprachreise hat das Ziel, Fremdsprachenkenntnisse zu erwerben oder zu verbessern. Du bekommst hier also  Fremdsprachenunterricht an einer spezialisierten Sprachschule in natürlicher Sprachumgebung – mit lokalen LehrerInnen, und vielen weiteren meist internationalen MitschülerInnen.

Mein Erfahrungsbericht: Work & Travel in Neuseeland

Als ich mit dem Abi fertig war, hatte ich absolut keine Ahnung, was ich überhaupt nach der Schulzeit machen sollte. Daher war die Entscheidung einfach: ab in den Flieger und ans andere Ende der Welt jetten. Natürlich lagen zwischen Abschlussfeier und Sicherheitskontrolle am Flughafen ein paar Monate harter Arbeit (in meinem Fall Post ausliefern zu miserabelsten Wetterbedingungen im Sauerland), um mir den Start sowie Flüge und sonstige Ausgaben vorab leisten zu können.

Ich hatte mich damals für ein Paket aus Flügen entschieden, die meinen Reiseverlauf bereits grob vorbestimmten: 

Deutschland – Dubai – Auckland – Melbourne – Singapur – Bangkok – Deutschland

Ich habe insgesamt in etwa ein halbes Jahr im Kofferraum eines Vans in Neuseeland gepennt um mir in dieser Zeit sowohl Nord- als auch Südinsel anzuschauen, unzählige Wanderungen, Strände, Wasserfälle und Höhlen mit Glühwürmchen von meiner Bucket-Liste abzuhaken und viele spannende Menschen kennenzulernen.

Vor und nach meiner Zeit in Aotearoa (wie die Maori ihre Heimat nennen) reiste ich mit Backpack unter anderem durch Australien, Malaysia und Thailand… eigentlich die klassische Route eines Backpackers, der das Maximum aus seinem Auslandsjahr nach dem Abi rausholen will. In der gesamten Zeit meiner Reise habe ich nicht nur zum ersten Mal das Gefühl von wahrer Freiheit erfahren, sondern auch gelernt, Verantwortung für mein Leben zu übernehmen und zu entscheiden, wie ich leben will. Außerdem sind meine Englischkenntnisse, mein Horizont und meine Haare enorm stark gewachsen – doch eine Frage konnte ich in Down Under nicht lösen… was will ich eigentlich später beruflich machen!?

Falsche Erwartungen an ein Auslandsjahr nach dem Abi

Genau wie ich selbst gehen viele junge Menschen mit genau dieser Erwartung in ihr Gap Year: “Während ich unterwegs bin, fällt mir schon irgendwas ein, was ich danach studieren oder beruflich machen will”…

Allerdings ist mir heute klar, dass diese Wunschvorstellung nicht ansatzweise der Realität entspricht. Wie soll man auch “einfach so” auf das kommen, was man durchschnittlich 90.000 Stunden lang in seinem Leben macht: ARBEITEN. Die berufliche Orientierung ist ein Prozess, der weder mit einem Schulpraktikum, noch mit “mir wird schon was einfallen” gelingt. Um sich wirklich nachhaltig mit dem Thema der Studien- und Berufswahl zu beschäftigen, benötigt es mehr als das. 

Wir leben in einer Welt aus unendlich vielen Möglichkeiten. Besonders in Deutschland haben wir das Privileg (für die junge Generation allerdings fast schon Nachteil), aus verschiedensten beruflichen Perspektiven wählen zu können, ohne uns sofort Sorgen machen zu müssen, dass wir unser Überleben nicht sichern können.

Im Meer der Möglichkeiten aus über 20.000 Studiengängen und hunderten Ausbildungsberufen verlieren immer mehr junge Menschen den Überblick. Genau deshalb haben wir den ELC Online Kurs entwickelt, um nicht nur JEDEM eine nachhaltige und umfangreiche Berufsorientierung auf Augenhöhe zu ermöglichen, sondern diesen entscheidenden Prozess auch mit Spaß zu verbinden. Wir beleuchten im Kurs sowohl verschiedene berufliche Richtungen, Studienfächer, Ausbildungsberufe und Karrierewege, aber auch Wege ins Auslandsjahr oder das eigene Start-Up.

Fazit

Egal, wo du gerade in deinem Prozess der Berufsorientierung stehst, ob du noch zur Schule gehst, oder bereits ein erstes Studium abgebrochen hast, da es einfach nicht das Richtige war – ein Auslandsjahr kann dir spannende Perspektiven eröffnen und dein persönliches Wachstum auf neue Ebenen katapultieren. 

Allerdings empfehle ich dir, dich ausführlich mit der Studien- und Berufswahl zu beschäftigen, und nicht mit der Erwartung in den Flieger zu steigen, den Weg zu deinem Traumjob beim Kiwi-Pflücken in Neuseeland zu finden… außer natürlich, du willst genau das später beruflich machen! 😉

Danke für deine Aufmerksamkeit und bis zum nächsten Blog-Artikel!

Ben | ELC Team